Foto: M. Eram / DRK e.V.
Kinder im Alltag zu begleiten, bedeutet für Eltern heute weit mehr als Versorgung und Organisation. Sie sind emotionale Stützpunkte, Krisenmanager, berufstätige Allrounder - und häufig so stark eingespannt, dass Erholung kaum mehr möglich ist. Viele spüren irgendwann körperliche oder psychische Folgen: Müdigkeit, Schlafstörungen, Rückenschmerzen, ständige Gereiztheit oder das Gefühl, allem hinterherzulaufen. Eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur kann hier ein wichtiger Schritt sein, um die eigene Gesundheit zu stabilisieren und neue Kraft zu schöpfen.
Was hinter einer Mutter-/Vater-Kind-Kur steckt
Bei einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur stehen die Bedürfnisse des Elternteils im Mittelpunkt. Die Maßnahme dauert in der Regel drei Wochen und findet in spezialisierten Kliniken statt, die auf typische Belastungssituationen ausgerichtet sind. Dort erhalten Eltern medizinische, therapeutische und psychosoziale Unterstützung -von physiotherapeutischen Anwendungen über Entspannungs- und Bewegungstherapien bis hin zu Beratungsgesprächen und alltagsorientierten Trainings.
„Kinder können mit dem jeweiligen Elternteil mitreisen. Wenn es medizinisch sinnvoll ist, erhalten sie auch Therapieanwendungen. Für sie gibt es eigene Angebote, die altersgerecht, spielerisch und entlastend gestaltet sind", erklärt Evelin Nawrocki, Kurberaterin beim Deutschen Roten Kreuz (Kreisverband Wesermarsch).
Warum eine Kur helfen kann
Eine Kur ist keine Auszeit im klassischen Sinne und schon gar kein Urlaub. Sie ist eine medizinisch begründete Maßnahme, die darauf abzielt, Überlastungen zu reduzieren und gesundheitlichen Schäden vorzubeugen. Häufig spielen verschiedene Faktoren zusammen: familiäre Konflikte, Alleinerziehung, chronische Erkrankungen eines Kindes, berufliche Anforderungen oder auch die Pflege von Angehörigen. „Eine Kur kann dabei helfen, Situationen neu zu betrachten, Grenzen zu setzen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und langfristig selbstfürsorglicher zu handeln“, weiß Evelin Nawrocki.
Wann eine Kur sinnvoll ist
Viele Eltern fragen sich, ob ihre Belastung "ausreicht", um eine Kur zu beantragen. Dabei gilt: Entscheidend sind nicht dramatische Einzelsituationen, sondern die dauerhafte Belastung und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. Wenn ambulante Hilfen wie Hausarztgespräche, Physiotherapie oder Beratungsgespräche nicht genügen, kann eine stationäre Maßnahme sinnvoll sein. Typische Anzeichen sind chronische Müdigkeit, anhaltende Erschöpfung, körperliche Beschwerden ohne klare Ursache, ständige Anspannung oder das Gefühl, dem Alltag nicht mehr gewachsen zu sein. Wer frühzeitig handelt, verhindert, dass die Belastung sich verfestigt.
Wer Anspruch hat - und bis zu welchem Alter Kinder mitfahren dürfen
Grundsätzlich können alle gesetzlich versicherten Mütter und Väter eine Kur beantragen. Das gilt unabhängig von Familienmodell oder Berufstätigkeit. Regulär können Kinder bis 12 Jahre mitgenommen werden. Für Kinder, die die Mutter oder den Vater begleiten, um die Betreuung während der Maßnahme zu gewährleisten, ist kein separater Antrag erforderlich. Für Kinder die aufgrund eigener gesundheitlicher oder psychischer Belastungen in die medizinisch-therapeutische Versorgung der Einrichtung mit eingebunden werden sollen, ist ein gesonderter Antrag über den Vordruck „Muster 65" zu stellen. Wichtig zu bedenken: Ältere Kinder werden durch den Kuraufenthalt aus ihren schulischen, sozialen und emotionalen Strukturen herausgelöst. Eltern sollten sich daher im Vorfeld über mögliche Auswirkungen beraten lassen. Bei sehr kleinen Kindern, die noch keine Kita oder Tagesbetreuung gewohnt sind, kann dies die Durchführung der Kur erschweren.
Der Weg zur Kur: von der Beratung bis zur Bewilligung
Am Anfang steht ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Dieser klärt, ob eine Kur geeignet ist und welche Unterlagen erforderlich sind. Anschließend stellt der Haus- oder Facharzt den Antrag, genauer gesagt den Vordruck „Muster 64" aus. Dieses Formular muss bei der bkk melitta hmr eingereicht werden. Darin sind die gesundheitlichen Beschwerden und Belastungsfaktoren beschrieben. Umfassende Beratungen zum Thema Mutter-/Vater-Kind-Kur bieten auch Sozialverbände wie das DRK und natürlich die bkk melitta hmr an. "Viele Eltern empfinden bereits diese Phase als entlastend, weil sie wahrnehmen, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind", berichtet Evelin Nawrocki. Nach der Bewilligung erfolgen die Vermittlung in eine passende Klinik und die Planung der Maßnahme - entweder über den bkk melitta hmr Kooperationspartner Gesundheitsservices Management (GSM) oder die Beratungsstellen der Sozialverbände.
Warum ein Ansprechpartner so wichtig ist
Ein Ansprechpartner, entweder bei der bkk melitta hmr oder einer Beratungsstelle, begleitet den gesamten Prozess: Er hilft bei allen Fragen rund um die Antragsstellung, erklärt die gesetzlichen Ansprüche, berät zu den medizinischen Voraussetzungen, klärt Besonderheiten, unterstützt bei der Auswahl der Klinik und steht bei Rückfragen zur Seite. Ein solcher persönlicher Kontakt sorgt dafür, dass die Maßnahme nicht an organisatorischen Hürden scheitert und genau auf die Bedürfnisse der Familie abgestimmt wird.
Was kostet eine Eltern-Kind-Kur?
Eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur wird als medizinische Maßnahme von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert. Für Eltern fällt lediglich ein gesetzlicher Eigenanteil an, das sind 10 Euro pro Kalendertag. Für Kinder übernimmt die bkk melitta hmr die gesamten Kosten, sofern sie die Kosten für das Elternteil übernimmt und ihre Mitfahrt medizinisch notwendig oder organisatorisch begründet ist. Die restlichen Kosten wie Unterkunft, medizinische Betreuung, Ernährung, Therapien und Kinderbetreuung übernimmt vollständig die Krankenkasse.
Quelle: Kundenmagazin BKK-Melitta 01/26
Quelle: Kundenmagazin BKK-Melitta 01/26
Können Mütter bzw. Väter die Kurklinik frei wählen?
Man hat als Mutter bzw. Vater bei der Wahl der Einrichtung ein Mitspracherecht. Aber ich rate jedem, flexibel zu bleiben - egal, ob es um den Ort oderden Zeitraum geht. Andernfalls muss mit Wartezeiten gerechnet werden.
Wie nachhaltig wirkt eine Kur?
Sehr nachhaltig, wenn Eltern die erlernten Strategien im Alltag weiter anwenden: Entspannung, gesunde Bewegung, klare Abgrenzung und Struktur helfen langfristig.
Was ist Ihr wichtigster Rat für überlastete Eltern?
Überforderung ist kein persönliches Versagen. Wer frühzeitig Unterstützung annimmt, sorgt gut für die eigene Gesundheit - und damit auch für die der Kinder.
Quelle: Kundenmagazin BKK-Melitta 01/26